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Entzivilisierung

Habe mich vor kurzem noch einmal mit den "Roten Khmern" in Kambodscha auseinandergesetzt. Das "Schwarzbuch des Kommunismus" und Internetrecherche ist sicher keine übermäßig tiefschürfende und intensive Beschäftigung, doch was ich über Kambodscha in der zweiten Hälfte der 70er Jahre gelesen habe, hat mir gelinde gesagt genügt. Habe mich auch an der Uni nie näher damit beschäftigt, aus dem selben Grund, aus dem ich mich nicht in den Holocaust "eingearbeitet" habe: Man liest Dinge, die man nicht lesen will.
Seltsam.
Es macht mir irgendwie auch sehr zu schaffen, dass die Vorgänge in der "Demokratischen Republik Kambodscha" sich zu meinen Lebzeiten ereigneten.
Am 1. Juli 1977 starb meine Großmutter. Ich kann mich an diesen Tag so gut erinnern, wie es einem damals Neunjährigen möglich ist. Am selben Tag wurden im berüchtigten Gefängnis S-21 in Kambodscha 114 Frauen ermordet. In demselben Gefängnis sind insgesamt 1.200 Kinder ermordet worden (Jean-Louis Margolin) .Für die geringsten Vergehen drohte die Todesstrafe und es gab keine Altersgrenze nach unten. Die gesamte Bevölkerung wurde in Arbeitsbrigaden eingeteilt und mit Lebensmittelrationen "versorgt", die nur ein langsames Sterben ermöglichten. Arbeitspflicht bestand ab dem siebten Lebensjahr. Kinder in der Hölle der Gefängnisse wurden als einzige nicht angekettet, sondern bestenfalls einfach ihrem Schicksal überlassen, bis sie verhungerten.
Ich führte zur selben Zeit am anderen Ende Eurasiens ein recht sorgloses Kinderleben. Seltsamerweise macht mir dies zu schaffen. Es ist sicher sinnlos sich mitschuldig, oder auch nur beschämt zu fühlen, wenn man selber noch ein Kind war. Doch die Frage ist: WIE KONNTE DIE WELT EIN DERART UNFASSBARES MARTYRIUM EINES GANZEN VOLKES MITANSEHEN? War es reine Trägheit, ein unreflektierter Pazifismus oder war die Maßlosigkeit dieses Grauens zu unbegreiflich? Damals ist vielleicht die hehre Idee der staatlichen Souveränität erstmalig massiv in Frage gestellt worden. Dieser Prozess hat sich gottlob fortgesetzt und es gibt mittlerweile einige Diktatoren, die ihr Land nicht mehr verlassen können, ohne sich vor einem internationalen Gericht verantworten zu müssen.
10.3.07 12:11


Entwurzelung

In den sozialpathologischen Zeiten des 20. Horrorjahrhunderts berichten Opfer immer wieder davon, wie traumatisch die Vertreibung aus vertrauter Umgebung im Gedächtns geblieben ist. Beispielhaft sind u.a. die Vertreibung der dt. Bevölkerung aus Breslau und der kambodschanischen aus ihrer Hauptstadt Pnom Penh, bis diese eine Geisterstadt war. Ich versuche mir vorzustellen, wie dies rein technisch mit einer Großstadt wie Köln zu bewerkstelligen wäre. Wie viele Menschen leben allein in den näheren Häusern meiner Umgebung? Wo wären von meinem Wohnort aus die nächsten größeren außerhalb der Stadt gelegenen Freiflächen, die man als Sammelplätze nutzen könnte? Im Norden, Osten, oder Westen? Man unterschätzt wie viele Menschen man auf einem einigermaßen überschaubaren Platz sammeln kann. Während des Weltjugendtages waren auf dem Marienfeld, in der ausgedehnten ländlichen Umgebung meiner rheinischen Heimatstadt gelegen, ungef. 1 Million Besucher zugegen!
Dieses Feld konnte man aus einiger Entfernung (vielleicht 10 Minuten Fußweg) überschauen. Das sind so viele Menschen wie GANZ KÖLN, von Säuglingen bis zu Greisen, Einwohner hat. Wenn sich NUR Kölner dort versammelt hätten, wäre DIE GESAMTE STADT menschenleer gewesen.
Ob viele Menschen nun wegen eines gemeinsamen Zieles, aus reiner Not, oder weil man sie dazu zwingt, zusammenkommen, sie werden sich immer in irgendeiner Form solidarisieren. Nationen oder "Klassenzugehörigkeiten" spielen dabei keine Rolle. Diese Kategorien existieren letztendlich nur in den Köpfen.
10.3.07 12:21





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