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Prozess

Letzten Freitag ging ein Strafprozess zu Ende, der in der deutschen Rechtsgeschichte wohl ohne Beispiel ist. Der Prozess zog sich ?ber mehrere Monate, bis die beiden Hauptangeklagten zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden, weil sie ihre kleine Tochter vors?tzlich verhungern lie?en - ?ber Jahre.
Die Details dieses Martyriums, wie es v?llig zutreffend immer wieder genannt wurde, waren so unvorstellbar ersch?tternd, dass das Medienecho enorm war, selbst ?ber die Grenzen unseres Landes hinaus.
Vieles was man da an Kommentaren lesen konnte war sehr gut und wichtig. So, dass dieser Fall zu einem neuen Miteinander unter uns f?hren sollte. Anderes kann ich zumindest leider nur als ?u?erst blau?ugig oder sogar dumm bezeichnen. In die erste Kategorie f?llt die Anmerkung, dass es in Afrika ein ganzes Dorf ben?tige, um ein Kind zu erziehen. WAS soll man daraus bitte f?r Konsequenzen ziehen? Tatsache ist: Wir leben hier nicht in irgendwelchen afrikanischen D?rfern, sondern in einem hochentwickelten Industrieland. Das hat neben vielen Vorteilen leider auch Nachteile, wie z.B. gr??ere Anonymit?t. "Afrikanische D?rfer".
Auf welchem Planeten leben solche Leute?
Die zweite Kategorie (dumme Kommentare) war weit ?rgerlicher. Da verstieg sich zum Beispiel jemand dazu die Menschen zu verh?hnen, die ihrer Betroffenheit am Grab Jessicas Ausdruck gegeben hatten. Zitat in etwa "Wildfremde schreiben Briefchen mit krakeliger Schrift und stellen Pl?schtiere am Grab ab, die im Leben nichts von der Familie wissen wollte." DAS schl?gt doch wohl dem Fass den Boden aus! Es ist sicherlich ein Frage des pers?nlichen Ermessens wie man seiner Betroffenheit ?ber das Schicksal einer Mitb?rgerin in einer (zumindest formal) zivilisierten Gesellschaft Ausdruck verleiht. Doch das echte Betroffenheit vorhanden ist, kann meines Erachtens wohl nicht geleugnet werden. Dar?ber hinaus die Unterstellung:"..die im Leben nichts von ihr wissen wollten." Tatsache ist: Es hat kaum jemand von dem Kind gewusst. Das gilt nach allem was wir wissen, gerade auch f?r die Leute, welche im selben Haus lebten. Ich wohne selber seit M?rz in einem Mehrfamilienhaus mit 22 Etagen. Es ist alles nett und sauber und die Leute, die ich bisher getroffen habe (meist im Aufzug) machen einen zivilisierten Eindruck. Doch auch ich wei? definitiv nicht was in den anderen Wohnungen vor sich geht und ich glaube ich kann nicht ohne Weiteres bei jemand weitgehend oder v?llig fremdem anklingeln, um eben mal seine Behausung zu inspizieren! Man fragt sich wirklich manchmal, ob solche Kommentare wie der zitierte von v?llig weldfremden Journalisten in ihrerseits isolierten Villenvororten geschrieben wurden. Unglaublich. Vielleicht ist diese Reaktion sehr typisch f?r diejenigen, die immer am wenigsten vom Staat wissen wollen und m?glichst viel von der "Gesellschaft" erwarten.
Als Fazit kann man sicherlich ziehen, dass auch ein erschreckendes Versagen staatlicher Beh?rden vorliegt. Es war glaube ich Aristoteles, der ?u?erte, dass der einzige wahre Sinn des Staates darin liege f?r das "Wohlergehen" seiner B?rger zu sorgen. Dar?ber hinaus habe er keine Existenzberechtigung. Nun, mit "Wohlergehen" war sicherlich alles andere als eine soziale Rundumversorgung von der Wiege bis zur Bahre gemeint, doch die Unversehrtheit von Leib und Leben seiner wehrlosesten B?rger sollte die wichtigste Pflicht jedes Gemeinwesens sein. Ansonsten kommen mir ganz pers?nlich, offen gesagt, auch sehr grunds?tzliche Bedenken, was die Existenzberechtigung angeht.
Was pers?nlich f?r mich unter dem Strich ?brig bleibt ist, neben einer erh?hten Wachsamkeit, ein Gef?hl der Scham nichts gewusst zu haben w?hrend all der Jahre und die bittere Einsicht, dass man die Zeit nicht um 3 oder 4 Jahre zur?ckdrehen kann und wenn man es noch so sehr w?nschte. Nicht einmal um einen verdammten Tag.
29.11.05 10:17
 


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